Immergrüne Pflanzen im Garten:
Unterschätzt, wertvoll und vielseitig
In den letzten zwei Jahrzehnten scheinen Nadelgehölze in Gärten etwas aus der Mode gekommen zu sein. Wenn ich meine Kundinnen und Kunden bei der Gartenplanung frage, ob ich auch Nadelgehölze einplanen darf, höre ich oft: „Die gefallen mir nicht, ich mag lieber Laubgehölze."
Ich gebe zu: Zu meiner Lehrzeit war Gartengestaltung oft tatsächlich erschreckend „friedhofsähnlich“ – eine Thujenhecke rund um den Garten und mittig eine Silbertanne (die in Wirklichkeit eine Stechfichte war). Dieses Bild haftet den Immergrünen bis heute an.
Daher gibt es viele Vorurteile: Sie gelten als langweilig, altmodisch und sogar als ökologisch wertlos. Vor allem Letzteres stimmt ganz und gar nicht.
Rechts sehen Sie ein typisches Bild aus dieser Zeit, eine klassische Monokultur, diese ist ökologisch wirklich nicht sinnvoll.
Warum immergrüne Pflanzen ökologisch so wertvoll sind
Immergrüne Laubgehölze und Nadelgehölze bieten zahlreichen Tieren gerade in den Wintermonaten wichtigen Lebensraum und Schutz. Sie dienen als Nistplätze für Vögel und als Unterschlupf für Kleintiere.
Immergrüne Pflanzen erfüllen also eine bedeutende ökologische Funktion im Garten. Deshalb rate ich bei neu erworbenen Gärten mit altem Baumbestand dringend davon ab, Gehölze voreilig zu fällen. Besser ist es, ihren Gesundheitszustand sorgfältig zu prüfen und sie – wenn möglich – in neue Bepflanzungen zu integrieren.
Immergrün ist nicht gleich immer gleich
Laubwechsel bei immergrünen Pflanzen
Auch immergrüne Pflanzen wechseln ihr „Blätterkleid“. Immergrüne Laubgehölze tun das allerdings so unauffällig, dass man es kaum bemerkt: Sie werfen über das Jahr verteilt ihre ältesten Blätter ab.
- Halbimmergrüne Pflanzen wie die japanische Azalee verlieren ihr Laub nur in sehr kalten Wintern.
- Wintergrüne Pflanzen wie die Bergenie behalten ihre Blätter bis zum Frühjahr und tauschen sie dann aus.
Farbenvielfalt statt Einheitsgrün
Immergrüne Pflanzen sind übrigens nicht immer nur grün. Das Farbspektrum reicht von leuchtendem Gelb über verschiedene Grüntöne bis hin zu Blau, Grau und Silber.
Gerade im asiatischen Gartenstil spielt dieses Blattfarbenspiel eine große Rolle – man denke nur an die unterschiedlichen Grüntöne der Bambusblätter und -halme.
Bei immergrünen Gehölzen gibt es zudem viele buntlaubige (panaschierte) Züchtungen, bei denen ein Blatt mehrere Farbschattierungen aufweist. Beispiele dafür sind Efeu, Spindelstrauch, Glanzmispel und – seltener – sogar der Buchsbaum.
Immergrüne Pflanzen in verschiedenen Gartenstilen
Mediterrane Gärten
Die Vorliebe für Immergrüne hat in der Gartengestaltung eine lange Geschichte. In mediterranen Gärten gehören Buchs, Zypressen, Lorbeer, Agaven, Palmen, Oleander und Myrten seit der Antike zu den charakteristischen Schönheiten.
Naturnahe Gärten und Waldgärten
Auch in naturnahen Gärten spielen immergrüne Gehölze eine wichtige Rolle. In Heidegärten sind Wacholder, kleinbleibende Kiefern und Fichten sowie Rhododendren unverzichtbar.
Die derzeit beliebten Waldgärten vermitteln den Eindruck unberührter Natur: finster, mächtig, fast märchenhaft – mit dunklen Nadelgehölzen und urigen Baumstümpfen. Immer- und wintergrüne Farne, Bambus und Rhododendren sorgen dafür, dass diese Gärten das ganze Jahr über attraktiv bleiben.
Gestalterische Vorteile von immergrünen Gehölzen
Immergrüne Gehölze haben den großen Vorteil, dass sie auch in der blütenarmen Zeit kaum Lücken im Erscheinungsbild aufweisen. Sie geben dem Garten Struktur und Ruhe – das ganze Jahr über.
Gerade in kleinen Gärten gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Immergrüne Hecken schaffen ganzjährig Privatsphäre, schützen vor Lärm und vor neugierigen Blicken. Unerwünschte Ausblicke lassen sich so elegant ausblenden.
Ein persönliches Beispiel aus meinem Garten
Bei meinem Hauseingang habe ich nur einen schmalen Streifen bis zur Grundstücksgrenze. Meine Nachbarin hat dort alte Nebengebäude, die wirklich nicht einladend aussehen.
Ich habe diesen Bereich mit einer immergrünen Bepflanzung als ganzjährigen Sichtschutz gestaltet. In Kombination mit blühenden Azaleen und immergrünen Stauden ist daraus ein echter Hingucker geworden – und ein schönes Beispiel dafür, wie vielseitig immergrüne Pflanzen eingesetzt werden können.